Mittlerweile eine oft gestellte Frage: Nutzt du KI?
Die Antwort ist: Jein.
Nicht für Kundenprojekte.
Da gibt's nur 100% mich - und vielleicht die Rechtschreibkontrolle von Word (aber auch die ohne Auto-Korrekturen) oder die Google-Suche nach einem Buch aus dem Literaturverzeichnis, einer erwähnten Quelle oder nach einem Gesetz (mittlerweile auch eine Form von KI - an den Text lasse ich aber nichts ausser mich).
Weshalb?
a) sollen Kunden selbst entscheiden, was für Tools sie nutzen (wollen, sollen und dürfen), sich
b) nicht fragen müssen, ob ihr Text in irgendeiner Form zweckentfremdet oder drittbetreut wird -
und ich traue ihnen c) die Intelligenz zu, diese Tools auch selbst anzuwenden oder mich damit explizit zu beauftragen.
Mittlerweile brauche ich Tippfehler fast nicht mehr zu korrigieren – oft sind es sogar bei unterschiedlichen Autoren dieselben Tipp- und Grammatikfehler (ein Schelm, wer ein KI-Tool dahinter vermutet – die scheinen mit dem fehlenden Oxford-Komma, verschachtelten Satzstrukturen und der Flexion von Adjektiven noch ihre liebe Mühe zu haben).
Aber: Grundsatzkorrekturen können Tools gut und erledigen die Autoren in der Regel genauso wirkungsvoll selbst.
Bei vielen Texten geht es daher vermehrt um Dinge wie
- Inkonsistenzen,
- Wiederholungen,
- um Uneinheitliches,
- Unlogisches,
- Ungenauigkeiten und
- Unklarheiten,
- um sprachliche Nuancen,
- Misstöne,
- schiefe Bilder.
- Und bei wissenschaftlichen Texten um das genaue, einheitliche und sinnvolle Zitieren.
Gespickt mit ein paar helvetischen Eigenheiten, die in der grossen weiten Welt noch nicht die Runde gemacht haben (siehe auch den Beitrag zu den Helvetismen der Rechtssprache).
Und da hilft bislang nur selbst denken. Auch wenn KI vielleicht Inputs geben könnte und der Autor, die Autorin mit verschiedensten Prompts sein resp. ihr Bestes versucht.
Daher schreibe ich auch ausserhalb von Lektoratsaufträgen alle meine Texte selbst.
Wann ich KI trotzdem nutze
Manchmal greife aber auch ich auf KI zurück:
- Wenn ich irgendwo festhänge, weil mir partout nicht einfallen will, wie ich einen meiner ellenlangen Sätze kürzen könnte,
- wenn ich ein Synonym suche,
- mit einer Gliederung unzufrieden bin, aber auch nach zwei Tagen keine Lösung finde, die mich überzeugt,
- dann kann es sein, dass ich diesen einen Satz mal umformulieren lasse oder mir Vorschläge für mögliche Gliederungen unterbreiten lasse.
Die übernehme ich aber nicht 1:1 (bis jetzt zumindest noch nie). Die Outputs dienen mir nur als Ideen, als kreativer Input.
Und ich lasse auch keine ganzen Textabschnitte umformulieren.
Das höchste der Gefühle ist das Textanalyse-Tool der Wortliga, mit dem ich mir manchmal Inputs hole (auch ich bin manchmal des Denkens müde).
Ich bin aber beileibe keine Technikverweigerin: Ausserhalb des Arbeitens am und mit Text bin ich dankbar für jeden Prozess, der mittlerweile durch KI erleichtert wird.
So funktioniert zum Beispiel meine Buchhaltung nahezu automatisch.
Bei strategischen Themen nutze ich gern das eine oder andere Tool als Sparringspartner. Für Ideen. Für Inputs.
Umsetzen tu ich selbst. Möchte ich auch. Denn gerade beim selbst umsetzen werden meine Gedanken sortierter, klarer.
Und ich will wissen, wovon ich schreibe.
Schreiben ist bei mir nicht (nur) Mittel zum Zweck, sondern ich lerne dabei auch immer wieder mit dazu. Auch in sprachlicher Hinsicht.
Und wie es Kremena Bachmann in einem NZZ-Folio-Artikel formuliert: «Lernen braucht Reibung, Irritation, Hindernisse.»
Und auch wenn es vielleicht «einfacher» wäre, manche Schreibarbeiten «auswärts» zu geben – und ich vermutlich besser als manch anderer in der Lage wäre, den Output auf Herz und Nieren zu prüfen: Ich will mir diese Fähigkeit erhalten.
Auch wenn ich damit vielleicht in ein paar Jahren als Dinosaurier und rares Exemplar der Menschheit gelten werde. Ich will gar nicht erst in Versuchung kommen, diese Synapsen nicht mehr zu trainieren.
Ziel: Autorinnen und Autoren zum Denken anzuregen
Zudem hoffe ich immer irgendwie, dass von meinen kritischen Rückmeldungen auch bei «meinen» Autorinnen und Autoren bitzli öpis hängenbleibt, sie zum genau Hinschauen und Mitdenken angeregt werden.
Das ist mit ein Grund, weshalb ich bei studentischen Arbeiten oft relativ ausführliche Kommentare anbringe, die nicht eine Lösung vorschlagen, sondern eben genau zum kritischen Denken anregen sollen und vielleicht für den zukünftigen Weg öpis bringen.
Denn: Der KI-Output lässt gerade in rechtlicher Hinsicht mehr als zu wünschen übrig. Tönt öft gut, stimmt aber nicht präzis.
Dem Vergessen der sprachlichen Präzision versuche ich, auch mit casus lapsus etwas entgegenzuwirken, immer schön häppchenweise und zugeschnitten auf rechtswissenschaftliche Texte bzw. Texte mit rechtlichen Inhalten.
Eine Art Mini-Schreibtipps-für-Juristen-Fachpublikation. Etwas unkonventionell per Du, manchmal etwas frech und mit bitzli Ironie, aber hoffentlich unterhaltsam genug, dass bei den Leserinnen und Lesern auch etwas hängenbleibt.
Welche KI-Tools nutze ich für die Arbeit am Text, wenn überhaupt?
- Wortliga-Textanalyse-Tool: Am ehesten.
- Duden-Mentor: Öpedie.
- DeepL: Nur, wenn ich doch mal öpis übersetzen muss oder bei einem Ausdruck unschlüssig bin (selbst dann greife ich aber eher zu herkömmlichen Dictionnaires).
- ChatGPT: Für strategische Fragen, s. oben.
- Claude: (Noch) nicht so wirklich.
